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Geschenke des Lebens und der Liebe

Christian Haase

In den letzten Jahren, ganz besonders nach dem Tod von meinem Mann Christian, hat das Thema „Glücklich sein“ und „Geschenke des Lebens“ noch einmal eine ganz neue und sehr intensive Bedeutung für mich bekommen und hat sich auch grundlegend verändert.

Früher dachte ich, dass ich glücklich sein kann, wenn mir „gute“ Dinge passieren und meinte, dass etwas ein Geschenk ist, wenn ich etwas „Schönes“ bekomme, dass mir sofort Freude bereitet. Demnach müsste ich heute eigentlich unglücklich sein und mich vom Leben sehr ungerecht behandelt fühlen, weil ich gewünschte Geschenke nicht erhalten habe und mir „schlimme“ Dinge passiert sind. Doch ich kann heute für mich sagen, dass ich so glücklich bin wie noch nie zuvor (was absolut nicht heißt, dass ich meinen Mann nicht sehr vermisse und nicht auch manchmal meine Tiefpunktmomente habe, wo ich einfach müde bin und nicht mehr mag – das gehört eben auch dazu).

Durch die Erlebnisse der letzten Jahre und dadurch, dass ich immer wieder JA zum Leben gesagt habe und bereit war, zu sehen, dass trotz alledem auch in allem, was mir begegnet ist, vielfältige Geschenke enthalten waren, hat sich in mir ein ganz neues und tiefes Gefühl von Dankbarkeit, Glücklichsein und Getragensein entwickelt. (Natürlich oft auch erst nach einem längeren Zeitraum und nachdem ich bildlich gesprochen „durch die Hölle“ gegangen war – es gibt halt auch keine Abkürzungen).

Dieses Glücksgefühl ist etwas ganz Tiefes, das ich auch mitten in einem Moment, wo ich traurig bin oder weine empfinden kann. Und es ist ein Gefühl, was ganz tief in mir ist und unabhängig von anderen Menschen, äußeren Umständen und „Wenns“ (wenn dies oder jenes passiert, dann kann ich glücklich sein …). Und dieses Gefühl wird umso intensiver und wächst je mehr ich es anderen mitteilen/vermitteln kann.

Und ich möchte damit auch Mut machen, dass es auch dann ein glückliches Leben gibt, wenn sich einige Träume, die man hat, nicht erfüllen. Das heißt nicht, dass man keine Träume haben sollte und nicht alles daran setzen sollte seine Träume zu leben und zu erfüllen – ganz und gar nicht! Das heißt nur, dass man auch offen dafür bleiben sollte, dass es auch anders laufen kann, als man sich es erträumt hat und dass das trotzdem zu einem erfüllten und glücklichen Leben führen kann. Das Leben als Wundertüte. (Man darf trotzdem auch mal zwischendrin hadern).

Das größte Geschenk für mich, was mir auch immer wieder in Gesprächen noch deutlicher wird, ist die Liebe zwischen Christian und mir. Diese bedingungslose Liebe, die er mir geschenkt hat, dass er mein wahres Wesen erkannt hat, als ich das selbst noch nicht so konnte und damit mir den Weg zu mir selber eröffnet hat, ist die Kraft aus der ich heute noch schöpfe und die noch immer wächst. Diese Liebe, die weit über den Tod hinaus geht und mich immerwährend begleitet, ist ein unendlich großes Geschenk.

Und ich spüre immer deutlicher dass das genau eines der vielen Vermächtnisse ist. Dass ich mich traue, mit anderen zu teilen (mitzuteilen), weil die Kraft dann zunimmt. Mit Worten, in der Arbeit, im einfach Da sein für andere, mit dem Ausdruck über meine Fotos.

Was für ein Geschenk ist es, wenn ich das überall mit einbringen kann – direkt oder indirekt – je nach Situation und so wie es angebracht ist - offen oder mehr im Verborgenen nur einfach in der Herzenseinstellung den Dingen und Menschen gegenüber, denen ich begegne – es wirkt auch ohne Worte.

Und wenn dadurch nur ein Mensch mehr in der Lage ist, ein Geschenk zu erkennen und anzunehmen, dann ist es nicht umsonst gewesen.

In Dankbarkeit für die vielen Geschenke!

Gisela Haase, Oktober 2010